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rückenlage

rückenlage hinten

Rückenlage 2014

k2, das koreografenkollektiv, bleibt auch mit dieser Produktion seiner Maxime treu, Räumlichkeiten zu bespielen, die nicht der klassischen Bühnensituation entsprechen – wieder maßgeschneidert für die Episoden, die dort zu sehen sind: ein Wohnzimmer, eine Werkstatt, vielleicht ein Parkplatz – Räume, in denen sich vier Menschen unterschiedlich eingerichtet haben. Das Publikum ist eingeladen, von einem zum anderen zu gehen und bekommt präsentiert, womit man sich in der Lebensmitte auseinandersetzen kann, herumzuschlagen hat, fertig werden muss.

Trotz einstudierter Laufwege geht ab der Lebensmitte alles immer mehr bachab und wir fragen uns unweigerlich: War's das? Der Blick geht in zwei Richtungen: Nach hinten droht Verklärung, nach vorne sind wir dem Gebrechen auf der Spur. Doch wer behauptet, vorm Nichts kommt nichts, der hat nicht genau hingeschaut. Ein Raum ist überfüllt mit ordentlich gestapelten Erfahrungen, der nächste ein einziges Chaos, der dritte ganz leer, mit Platz für neue Anschaffungen – das Liebgewonnene, das Ausgemistete, das Eingestaubte, das Überflüssige und das Notwendige.

Mit Witz und Elan widmen sich zwei Frauen und zwei Männer, die nun wirklich nicht mehr als Newcomer bezeichnet werden können, den bekannten Fragen: Wer? Wann? Warum? Und wer hat das hier hingestellt? Sie kommen dabei zu erstaunlichen Lösungen: Einer breitet sich aus und wird maßlos, die Andere lässt sich ersetzen, der Dritte baut Schiffchen und Eine steht und steht und wartet. Die Zuschauer können wandern oder bleiben. Sie können den Bewohnern dabei zusehen, wie sie mit mehr als 40 Jahren Leben und vor allem der ganzen noch bevorstehenden Restzeit umgehen.

Vier Räume, vier Episoden, Vier zwischen Jugend und Alter, vier in der Krise - ein tänzerischer Abschied von der einstigen Jugend des Körpers, von unerfüllten und wohl nicht mehr zu erfüllenden Träumen, vom Gefühl der eigenen Allmacht und Unsterblichkeit.

Mit "Rückenlage" wollen wir ausloten, was die durch die angestiegene Lebenserwartung nach hinten verschobene Lebensmitte für Chancen und Fallen bereithält. Eine älterwerdende Gesellschaft und wir mitten drin in der sich auf den Kopf stellenden Generationenpyramide. Was bedeutet das für Menschen, die ihren Körper als Ausdrucksmedium benutzen?

Wir stellen Fragen an die Ästhetik des Tanzes. Werden sich die Sehgewohnheiten in den nächsten Jahren ändern müssen? Was, wenn immer mehr Menschen klar wird, dass sie dem Jugenddiktat einer realitätsfernen Medienwelt gar nicht gerecht werden können? Was, wenn Menschen nicht mehr aufhören, zu tun, was sie tun wollen, nur weil morgens ein paar Zipperlein mehr das Leben etwas anstrengender machen? Die Physikalität des Tanzes wirkt hier als Lupe bei der Erforschung einer neuen Einstellung zu älteren Körpern, die immer noch potenten Geist beherbergen. Sie kann Perspektiven eröffnen, mit denen wir in eine Gesellschaft blicken, die immer mehr Falten und graue Haare bekommt.

Ausgangspunkt für die Arbeit der einzelnen Choreographierenden ist die eigene Biographie, die persönliche Standortbestimmung und Stellungnahme in der eigenen – angenommenen – Lebensmitte. Die Ergebnisse fallen dabei so unterschiedlich aus wie die einzelnen Lebensstrategien und werden unter einer Gesamtkonzeption zusammengefügt zu einem stimmigen Ganzen.

Das koreografenkollektiv begibt sich mit diese thematischen Vorgaben in eine zweiwöchige Recherchearbeit in den temporären Räumen der Kulturliste Freiburg-kult und zeigt im Rahmen des Festivals zwei Werkschauen.